Ich war in Rosenberg

Obwohl fast 88 Jahre alt, teilweise im Rollstuhl sitzend, hatte ich den sehn­lichsten Wunsch, noch einmal Rosenberg zu sehen und meinem Sohn Roland zu zeigen, wo seine Vorfahren herkommen.

Werner Harder, Oldenburg (gebürtig in Rosenberg)

 

 

 

Im Jahre 2013 planten und buchten meine Frau Margrit und ich eine Reise (Schiffsfähre Kiel-Klaipega) nach Nidden an der Kurischen Nehrung mit einem Tagesausflug nach Rosenberg, denn mein Sohn Roland hatte zum ersten Mal Interesse an meiner Heimat gezeigt. Leider erkrankte ich im Februar 2014, dadurch wurde die Reise sehr anstrengend. Aber eine Stornierung kam nicht in Frage, denn ich wollte meinem Sohn unbedingt meinen Heimatort zeigen.

Am 4. Juli 2014 fuhren wir mit einem Taxi (VW-Bus) um 8 Uhr in Nidden los. Drei Stunden sollte die Fahrt um Königsberg nach Heiligenbeil bis Rosenberg dauern, mit einer Wartezeit an der Grenze.

Als wir von Heiligenbeil in Richtung Rosenberg fuhren, hielten wir auf der rechten Seite Ausschau nach den Feldern und Wiesen meines Vaters, aber diese ganze Seite ist inzwischen mit kleinen, einfachen Häusern zugebaut. Als wir schließlich am Gedenkstein in Rosenberg standen, ohne die vertrauten und von mir erwarteten Felder und Wiesen gesehen zu haben, waren wir erstaunt, unser Ziel schon erreicht zu haben.

Nun, mit Veränderungen war zu rechnen nach einer so langen Zeit, aber es ist wirklich traurig, wie es jetzt in Rosenberg aussieht. Es existiert zwar noch, einige neue Häuschen sind auf den Resten der alten gebaut worden, aber das Grundstück der Eltern fanden wir vollkommen mit Ebereschen über­wuchert. Von der Fliederhecke sind nur noch vier Büsche übrig. Die Dorfstraße Loch an Loch, so dass es sehr schwierig war mit dem Rollstuhl.

Der Hohlweg ist ebenfalls vollkommen zugewachsen, und ich konnte das Grund­stück der Großmutter einfach nicht mehr finden. Auch Die Reihe ist nur noch grün und der Hafen ein einziger Schrott. Wo früher die Badeanstalt und dann die Fischfabrik war, steht nur noch eine alte Bude.

Der Weg zur Beek ist allerdings neu und geht an einer ebenfalls neu angelegten Badeanstalt mit Kinderspielplatz vorbei. Der kleine Fluss war grün von Algen und mit viel Schilf zugewachsen. Ich wäre gerne bis zum Moosbruch gekommen, aber das war mit dem Rollstuhl aufgrund der schlechten Wege leider vollkommen unmöglich.

Für mich war der Besuch in meinem Heimatort eine einzige Enttäuschung, nie hätte ich gedacht, dass ich mein Rosenberg einmal in einem so traurigen Zustand sehen müsste. Ich hoffe aber trotzdem, dass mein Sohn Roland noch erahnen konnte, dass seine Vorfahren auf einem schönen Fleck der Erde gelebt haben. Mein Fazit allerdings: Dieses Rosenberg ist nicht mehr mein Rosenberg.

Werner Harder, Oldenburg (gebürtig in Rosenberg)



Hinweis:
Bericht:    Werner Harder, Oldenburg
Bilder:    Margrit Harder, Oldenburg

In diesem Haus, direkt am Kurischen Haff, haben wir den Urlaub in Nidden verbracht. Nidden ist ein Kleinod ? das wusste bereits Thomas Mann, der hier oft weilte und arbeitete. Sei schönes Sommerhäuschen ist heute Kulturzentrum.
Roland und ich stehen vor dem Gedenkstein in Rosenberg. Die Umgebung lässt einiges zu wünschen übrig.
Roland vor dem Gedenkstein.
Hier standen das Bauernhaus und die Scheunen meines Schwiegervaters.
Ein Stück vom Hohlweg. Man sieht, dass es nicht weitergeht, weil er zugewachsen ist.
Dieses Haus ist auf den Mauern der früheren Gaststätte ?Zum Haffkrug? errichtet worden.
Dies ist ein Stück der alten rechten Mole. Im Hintergrund kann man die Anhöhe von Balga erkennen.
Auf diesem Hafenstück steht der alte Schuppen, wo früher einmal die Badeanstalt war.
Werner mit unserem Taxifahrer. Im Hintergrund sieht man Teil des alten Holzhafens. Hier liegen Fischerboote der ?Neu-Rosenberger?.
Hier sieht man noch ein Stückchen des Flusses Beek.